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GfWM-Regional MR Nürnberg am 9.6.2011: "Wissensmanagement von unten" in regionalen Communities und im Coworking Space?

Ein großer Raum, erst halb fertig eingerichtet, einige Schreibtische sind auch um 19.00 Uhr noch besetzt, eine Bar mit edlem Cappuccino, und etliche Leute, die sich angeregt unterhalten. Das war gestern unsere Location für unser WM-Stammtisch-Treffen. Stefan Probst, einer der Haupt-Treiber der Coworking-Idee in Nürnberg gab uns eine kurze Einführung zu Idee und Ausführung des am 1.6.2011 eröffneten Coworking Spaces - mitten in der Nürnberger Innenstadt. "Coworking das Arbeitsplatzkonzept der Zukunft", so Stefan Probst, setzt auf den fruchtbaren Austausch unter denen, die hier arbeiten. Die Idee ist in vielen Städten weltweit schon erfolgreich eingeführt. Angesprochen sind Wissensarbeiter, die eine inspirierende Umgebung suchen. Das sind Existenzgründer, wie auch erfahrene Juristen, Architekten, Berater, oder Software-Entwickler, die sich zeitweise hier einmieten, um in dieser Umgebung produktiver zu sein als im eigenen Büro. Ganze Projekt-Teams aus Unternehmen buchen Coworking Spaces als ungestörte Umgebung zur Beschleunigung von Projekten. Um das Know-how der hier Arbeitenden sichtbar zu machen, wird demnächst eine Expertise-Landkarte erstellt. Der automatisch laufende Know-how-Transfer soll damit noch ein wenig beschleunigt werden.

Eine komplette Büro-Infrastruktur ist vorhanden, LAN, WLAN, Drucker und Schreibtisch reichen aus. Laptop und Telefon bringt man mit. Woran die Anderen arbeiten, kann man mitbekommen. Wenn Fragen auftauchen, findet man bestimmt jemanden, der weiterhelfen kann. Allein, die rundum Arbeitenden motivieren, selber dran zu bleiben. Man schafft mehr als im eigenen Büro zu Hause. Die Mieten sind gering, 19 € pro Tag oder 99 € pro Monat.

Hochachtung! Coworking Spaces entstehen als Infrastruktur für Wissensarbeiter. Die Träger von Coworking Spaces haben ein einziges Ziel: Das Schaffen von möglichst optimalen Rahmenbedingungen für Kommunikation und Austausch von Wissen. Eigentlich sind Coworking Space-Betreiber so etwas wie Wissensmanager, oder?

Im zweiten Teil gab uns Markus Teschner einen Überblick zu den ihm bekannten Nürnberger Communities, die sich regelmäßig treffen. Markus Teschner ist selbst einer der Haupttreiber einiger dieser Communities, z.B. beim WebMontag Franken und beim CreativeMonday. Im Hauptberuf ist er Produktmanager bei Immowelt. Abends möchte er Menschen vernetzen, und damit auch diese Region lebenswerter machen.

Hier nur eine kleine Auswahl der besprochenen Communities:
Das BarCamp Nürnberg, einmal im Jahr, 180 bis 240 Teilnehmer, Fr Abend bis So Abend, Agenda entsteht durch Teilnehmer selbst. Zielgruppe: Jeder.

Webmontag Franken, Gastgeber ist immer ein Unternehmen. Veröffentlichung über Xing-Gruppe: 150 bis 200 Platze sind über Nacht belegt. 3 Jahre Tradition, 500 Leute sind in der Gruppe. Immer 6 Vorträge, plus Ideen- oder Ankündigungs-Pitch, Quartalsweise, immer Mo Abend 4 bis 5 Stunden.

Creative Monday: Zielgruppe: Kreative / Kulturwirtschaft, Versuch das Konzept der Web-Szene auf die Kulturwirtschaft zu übertragen. Veröffentlichung über viele Kanäle: Mixxt, XING, Facebook, Twitter, ..., Unterschied: Immer eine Performance eines Künstlers integriert. Schon 7 Treffen, 60 bis 80 Teilnehmer.

Startup Weekend: Zielgruppe: Jeder, In 48 Stunden ein Unternehmen gründen. 120 Teilnehmer, einmal im Jahr, ein Wochenende, Einige gründen, Andere nehmen viel Erfahrung mit.

Open CoffeeClub: Man trifft sich einfach in lockerer Runde, seit 3 Jahren, immer 10 bis 15 Leute da. Vormittags: Damit Selbständige kommen. Ungezielte Vernetzung, aber mit interessanten Leuten.

Global Service Jam: 2 Service-Designer haben den hier aus Nürnberg gerade weltweit organisiert: 2000 Leute haben auf der ganzen Welt in 60 Städten mitgemacht. Vermutlich jetzt regelmäßig einmal im Jahr.

Pecha Kucha Night: Zielgruppe: Jeder, 20 Folien je 20 Sekunden, 60 bis 80 Teilnehmer. Quartalsweise ein Abend, japanische Dachorganisation.

Global Ignite Nürnberg: 20 Folien je 15 Sekunden, veröffentlicht über XING, Mixxt, zu den Vorträgen noch einen Contest, diesmal haben alle Teilnehmer Zahnbürsten-Roboter gebaut, 80 Leute, "coolster Event".

Diskussion: Warum gehen so viele Teilnehmer regelmäßig dorthin?

Communities sind interessant um Erfahrungswissen abzuholen. Das geht nur im persönlichen Kontakt. Dann kennt man Hintergründe, kann die Fakten einordnen, kennt die Best Practices. Faktenwissen kann man sich heute auch anders beschaffen.
Man will auch einfach hören, was Andere machen, auch wenn man das jetzt noch nicht direkt brauchen kann. Später erinnert man sich aber an den oder diejenige und das Thema.

Regionalevent im Gegensatz zu den überregionalen Veranstaltungen, bedeutet auch, dass man sich in 3 Wochen wieder sehen kann, wenn man will.

Erfahrung: Web-Szene tauscht sich sehr offen aus. Selbst Mitarbeiter von Mitbewerbern helfen sich gegenseitig bei Problemen. Vernetzung ist dort schon selbstverständlich. Künstler sehen das noch nicht so, dass sie sich vernetzen sollten. Ist ungleich schwieriger dort.

Erfolgsfaktoren für solche Communites mit realen Treffen

  • Vorher öffentlich sichtbar machen, welche Teilnehmer kommen
    (man geht nicht wegen der Vorträge hin, sondern wegen der Leute, die man dort treffen kann.)
  • Viel Zeit am Anfang investieren: Referenten finden, in relevanten Kreisen dafür werben, sich immer wieder sehen lassen
  • Auch für Qualität sorgen: Beiträge müssen kurz und interessant sein, sonst kommen Leute nicht mehr
  • In jedem Falle persönlich bei den Veranstaltungen sein
  • Die Gäste persönlich begrüßen, besonders die Neuen
  • Eine sehr offene Kommunikation über alles was vorher und nachher passiert: Die Community will sich dazugehörig fühlen.
  • Den Open-Source-Gedanken auch in diesen Communities erkennbar leben: Jeder kann sich einbringen, etwas übernehmen.

Markus Teschner: "Durch diese Events laufen in der Region Dinge, die sonst nicht möglich wären": Der Coworking Space und etliche Communties sind auf diese Weise von Teilnehmern dieser Treffen entstanden.

Auch hier wird deutlich, Teilnehmer kommen, um zu ihren beruflichen Themen Neues zu erfahren, Experten kennenzulernen, und ihr Netzwerk auszubauen. Alle kommen freiwillig, in ihrer Freizeit. Selbst die Organisatoren erledigen den großen Aufwand ehrenamtlich. Und allen scheint es Spaß zu machen. Die Altersgruppen sind gut gemischt, also nicht nur die Jungen machen da mit. "Wissensmanagement von unten" könnte man sagen, und das auch noch über Unternehmensgrenzen hinweg. Die Frage bleibt: Warum ist das, was hier so selbstorganisiert und fast selbstverständlich läuft, innerhalb von Unternehmen so schwierig?

Danke für den hochinteressanten Abend Im Coworking Space Nürnberg!

Karlheinz Pape